In the organizer's words:
»Was bleibt?« – um diese ebenso simple wie existenzielle Frage kreist die autobiografische Inszenierung »Héritage« (»Erbe«) des belgischen Schauspielers Cédric Eeckhout, für die er seine Mutter Jo Libertiaux auf die Bühne holt, um ihr und allen Müttern ein sehr persönliches Denkmal zu setzen. Wie um eine Trauer vorwegzunehmen, die eigentlich noch in der Zukunft liegt, sucht er zusammen mit der Musikerin Pauline Sikirdji und seiner Mutter auf der Bühne nach einer Sprache, um von ihrem Leben zu erzählen und das materielle und immaterielle Erbe zu befragen, das sie ihm und seiner Generation hinterlassen wird, wenn sie eines Tages nicht mehr da sein wird. Jo Libertiaux wurde 1945 geboren und heiratete mit 19 Jahren. Mit ihrem Mann, einem Elektriker, lebte sie den damaligen Traum, baute ein Haus, gründete eine Familie mit vier Söhnen, unternahm Reisen, kaufte neue Kleider und die modernsten Haushaltsgeräte. Kann ein augenscheinlich so konventioneller Lebensentwurf zum emanzipatorischen Vorbild dienen? Für Eeckhout unbedingt, denn Jo, die Zeit ihres Lebens als Friseurin gearbeitet hat, wollte immer unabhängig sein. Sie ließ sich 1982 scheiden, in einer Zeit, in der damit soziale Stigmatisierung und wirtschaftliche Prekarität verbunden waren. Sie zog aus dem großen Haus aus und baute für sich und ihre Söhne eine neue Existenz auf. Für Cédric als schwulen Mann seiner Generation ist sie, die sich in einer von Männern dominierten Welt ihre Freiheit und Unabhängigkeit erkämpfte und bewahrte, eine Heldin. Mit seiner Inszenierung macht er ihr eine berührende Liebeserklärung.
CÉDRIC EECKHOUT wurde 1977 geboren und arbeitete als Schauspieler am Theater, u. a. mit Anne-Cécile Vandalem, Falk Richter, Christiane Jatahy, Thomas Ostermeier und Mariano Pensotti und im Film, u. a. mit Rithy Panh und Thomas Vinterberg. »From here I build everything« war 2017 als Late Night Special beim FIND zu sehen und tourte anschließend als Inszenierung »The Quest« durch ganz Europa.
KÜNSTLERISCHE MITARBEIT: Eulalie RouxBÜHNE UND KOSTÜME: Bastien PonceletDRAMATURGIE: Nils Haarmann
MIT: Cédric Eeckhout, Jo Libertiaux, Pauline Sikirdji