Erinnerung als Arbeit an der Gegenwart
Seit 2018 recherchieren Janne und Klaus Weinzierl zu den Biografien von Mitarbeiter*innen der MK, die in der NS-Zeit verfolgt, entrechtet und ermordet wurden. In einer ehemaligen Telefonzelle im Steinfoyer wird nun eine „Bibliothek der Schicksale“ eröffnet, die die Recherche, 173 Titel (Theatertexte, Auto-Biographien, Bildbände, Druckschriften u.a), als Handbibliothek für das Publikum zugänglich macht.
Einer dieser Theatertexte ist „Schloß Wetterstein“ von Frank Wedekind, ein Exemplar aus dem Georg Müller Verlag von 1918. Das Stück wurde aufgeführt in den Münchner Kammerspielen damals in der Augustenstraße am 6. Dezember 1919 unter massiven rechtsradikalen Protesten.
Eine dieser Autobiographien sind die „…unordentlichen Erinnerungen“ (1978) der großen Schauspielerin Elisabeth Bergner.
Der Photoband „Im Auge des Exils“ (Holz/Schopf, Berlin 2001) zeigt Bilder des Münchner Photographen Josef Breitenbach über die Arbeit Helene Weigels mit Bert Brecht im Pariser Exil 1933-1941.
Eine der Druckschriften, „Das hatte ich zu sagen…“ (als Manuskript gedruckt, München im September 1948), enthält die gesammelten Vorträge des Theatre Control Officer der amerikanischen Militärregierung, Walter Behr, ein deutscher jüdischer Emigrant, der es schaffte, dass im Schauspielhaus in der Maximilianstraße der Theater-betrieb der Münchner Kammerspiele im Oktober 1945 wieder aufgenommen werden konnte.
Ein informatives A–Z Literaturverzeichnis aller Titel wird auf der MK:Schicksale–Website veröffentlicht.
Die Installation der „Bibliothek der Schicksale“ entwarf Nikolai Kuchin, realisiert wurde sie von den Gewerken der Münchner Kammerspiele. Entstanden ist ein lebendiger Erinnerungsort, der dieses Theater mit seiner eigenen Vergangenheit verbindet.
Preisinformation:
Eintritt frei