Das sagt der/die Veranstalter:in:
Roman von Kim de l’Horizon
in einer Fassung von Jan Friedrich
Theater Magdeburg
Premiere: 27.1.2024
Gibt es eine Sprache, die Erfahrungen nicht-binärer Identität ausdrücken kann? Virtuos und bildstark erzählt Jan Friedrichs Inszenierung „Blutbuch“ nach Kim de l’Horizons Roman von der Suche nach dem Ich und von Traumata, die alle Menschen teilen.
Als die Großmutter – oder Großmeer, wie Autor*in Kim de l’Horizon sie auf Schwyzertütsch nennt – an Demenz erkrankt, sieht sich die nicht-binäre Erzählfigur Kim mit der eigenen Familiengeschichte konfrontiert. Im Prozess des Schreibens taucht Kim tief in die eigene Vergangenheit ein und sucht einen Weg aus dem Schweigen der Mutter und Großmutter hin zur eigenen Identität und Körperlichkeit. Die vielfältige Stilistik des mit dem Deutschen und Schweizer Buchpreis ausgezeichneten Romans übersetzt Jan Friedrich in eine ebenso facettenreiche Bühnensprache, die sich linearen Erzählstrukturen widersetzt und dennoch Text und Bild zu einer Einheit verschmelzen lässt. Emotional berührende Live-Videos und Spielszenen werden mit ausgeklügelten Sprachsounds verwoben. Aus diesem Mosaik entsteht eine persönliche Geschichte, die gleichzeitig vom Aufbegehren gegen die Zwänge gesellschaftlicher Normierung erzählt.
Statement der Jury
Mit großer Dringlichkeit bringen Jan Friedrich und sein Team die queere Befreiungsgeschichte von Kim de l’Horizon auf die Bühne. Das zeigt sich in jedem poetisch-zarten, witzigen, märchenhaft-poppigen und brutalen Detail dieser multimedialen Inszenierung. Sie nimmt den preisgekrönten Roman beim Wort und schafft dennoch eine ganz eigene Welt. Das Magdeburger „Blutbuch“ findet für jedes Kapitel, jede literarische Tonart und jedes Gefühl überraschende Bilder, ohne je die Erzählung aus den Augen zu verlieren. Die Gratwanderung gelingt, weil sich die sieben großartigen Spieler*innen auch in Beziehung setzen zur schonungslosen Selbst- und Gesellschaftsbefragung und zur großen Sehnsucht nach Zugehörigkeit der multiplen Buch- und Bühnen-Kims. Ein Abend über non-binäre Identitäten, der eine Spielart des non-binären Erzählens vorschlägt. Und einer über Traumata, Schmerzen und Vorurteile, die wir alle von unseren Vorfahren erben. Bildstark, kämpferisch und Glückshormone freisetzend.
Zum Videostatement von Jurorin Sabine Leucht über „Blutbuch“
Programmheft (PDF, 1 MB)
Künstlerisches Team
Jan Friedrich – Regie und Kostüme
Alexandre Corazzola – Bühne
Friedrich Byusa Blam – Musik
Nico Parisius – Video
Katrin Enders – Dramaturgie
Besetzung
Iris Albrecht, Anton Andreew, Julia Buchmann, Marcel Jacqueline Gisdol, Oktay Önder, Michael Ruchter, Carmen Steinert
Preisinformation:
15.00 - 56.00€